Vitamine: Fakten zum Thema Überdosierung

Eine mögliche Überdosierung von Vitaminen wird in nicht-wissenschaftlichen Medien schon seit Jahren sehr gerne zum Thema gemacht. Leider wird in aller Regel sehr schlecht recherchiert, denn das Ziel ist es, durch Präsentation einer Pseudo-Sensation mehr Auflage zu machen. Die Fakten sprechen klar dafür, dass wir uns eigentlich nur zur weit verbreiteten Unterversorgung intensiv Gedanken machen müssen.

Wir haben daher die Fakten zur Vitaminversorgung einer möglichen Überdosierung einmal komprimiert zusammengefasst. Lesen Sie hier:

  • Was bedeuten eigentlich die auf den Packungen von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungen aufgezeigten %-Werte NRV bzw. RDA?
  • Was ist, wenn man mehr einnimmt als die NRV?
  • Was bedeutet der "Upper Level"?

Was bedeuten die NRV / RDA auf den Packungen?

"NRV" ist die Abkürzung für "Nutritional Reference Value". RDA ist die Abkürzung für "Recommended Daily Allowance". RDA meint denselben gestzlich festgelegten Wert wie NRV, nur unter anderem Namen. Während früher in der EU der Referenzwert RDA benannt wurde, ist es mittlerweile Gesetz in der EU, diesen als NRV zu benennen. Gesetzlich festgelegte NRV Standardmengen gibt es für alle Vitamine und für viele Spurenelemente sowie Magnesium und Kalzium. In den USA und ausserhalb der EU bezeichnet man diese Werte weiterhin meist als RDA.

Definition NRV: Die Menge des Nutritional Reference Value NRV benennt die Menge an täglicher Einnahme eines Mikronährstoffes, bei der ein gesunder junger Mensch, der nicht raucht und keinen Alkohol trinkt und auch keine Medikamente einnimmt, keine messbaren Mangelerscheinungen aufzeigt.

Wie Sie an der Definition sofort sehen können, ist der NRV Wert ein Mindestwert für eine bestimmte sehr gesunde Bevölkerungsgruppe. Bei besonderen Bedarfssituationen wie Schwangerschaft, Alter, Verdauungsproblemen, Krankheit und Medikamenteneinnahme können die täglichen Bedarfsmengen teilweise deutlich steigen. So empfiehlt die D.G.E. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. für die Bevölkerungsgruppe ab 40 Jahren eine Vitamin D Zufuhr von 10 µg bis 20 µg (200% - 400% NRV). Frauenärzte empfehlen allgemein eine Zufuhr von 400 µg bis 800 µg Folsäure täglich (200% - 400% NRV), wenn eine Schwangerschaft möglich ist.

Die NRV sind vor allem auch kein Optimalwert der Vitaminversorgung. Eine gesetzlich festgelegte Optimalmenge an Vitaminen und Spurenelementen gibt es nicht. In der Ernährungsmedizin geht man allgemein von Optimalwerten deutlich oberhalb der NRV aus.

Die NRV sind insbesondere auch keine Höchstwerte für die tägliche Einahme von Vitaminen oder Spurenelementen. Wenn Sie also die dreifache oder auch zehnfache Menge der NRV eines Vitamins einnehmen, dann kann das immer noch deutlich weniger als die optimale Menge oder die Höchstmenge sein.

Wie ist es mit der Überdosierung von Vitaminen? Wie sind die Höchstwerte von Vitaminen?

Sie lesen bestimmt oft in der Zeitung, dass die Vitamin Überdosierung gefährlich ist. Leider beschäftigen sich viele Redakteure nicht wirklich mit der Materie und sind einfach nur froh, wenn sie mit einer Panik-Schlagzeile zu einer angeblichen Vitamin-Überdosierung die Leser fesseln können und ihre Zeitung verkaufen können.

Fakt ist: die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat nur für einige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente überhaupt eine empfohlene Obergrenze für die langfristige Einnahme festlegen können. Für sieben Vitamine gibt es keine von der EFSA festgelegten Obergrenzen, weil in allen publizierten Studien auch bei extremer Dosierung keinerlei Nebenwirkungen festzustellen war.

Bei der Bestimmung von Höchstwerten gibt es dreierlei Werte, die diskutiert werden:

  1. Die geringste Dosierung, bei der in einer Studie von Nebenwirkungen der Einnahme berichtet worden ist (LOAEL: Lowest Observed Adverse Effect Level), oder
  2. die höchste Dosierung in allen Studien, bei denen von keinerlei Nebenwirkungen berichtet worden ist (NOAEL - steht für "No Observed Adverse Effect Level"), oder der
  3. Upper Level (UL) empfohlene Höchstwert, der gesetzlich festgelegt wird.

Der Upper Level UL wurde von der EFSA für sechs der dreizehn Vitamine und für einige Spurenelemente festgelegt worden. Dabei hat man sich am NOAEL orientiert, also der höchsten Menge, bei der von keinen Nebenwirkungen berichtet worden ist, und hat dann einen Sicherheitspuffer von zumeist 50% oder mehr abgezogen. Dies ist fallweise erfolgt, je nachdem wie die Nebenwirkungen bei deutlich höherer Einnahme aussehen.

Kritiker führen an, dass diese von der EFSA festgelegten Werte möglicherweise viel zu gering sind. Denn die Betrachtung zieht nur die negativen Nebenwirkungen der Einnahme mit ein, nicht aber die positiven Wirkungen der hohen Vitamineinnahme. Wenn in einer Studie bei hoher Vitamineinnahme also von 100 Personen 50 einen gesundheitlichen Vorteil hatten, fünf aber Nebenwirkungen verspürt haben, so empfiehlt die EFSA aus Vorsichtsgründen eine deutlich niedrigere Einnahme.

Ein behandelnder Arzt kann also bei einerm Kranken durchaus guten Grund haben, eine Vitamineinnahme oberhalb der Upper Limits oder der NOEAL zu empfehlen. Dies kann nur eine Einzelfall-Empfehlung auf Basis einer ärztlichen Untersuchung und Diagnose sein, ist aber keine allgemeine Einnahme-Empfehlung.

Vitamin Mangel laut Nationaler Verzehrsstudie 2008

Müssen wir uns eigentlich mehr Gedanken um eine mögliche Überdosierung machen? Oder sollten wir nicht eher über eine gesunde Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse nachdenken, um überhaupt nur unseren Mindestbedarf an Vitaminen sicher zu stellen?

In einer Untersuchung an über 20.000 Personen aus Deutschland wurden über ein Jahr lang die Ernährungsgewohnheiten genau analysiert. Die Studie ("Nationale Verzehrsstudie 2008") wurde von der Bundesregierung in Auftrag gegeben und bezahlt. Die Resultate sind daher als sehr aussagekräftig zu werten. Die Ergebnisse wurden 2008 veröffentlicht. Im "Ergebnisbericht Teil 2" der Nationalen Verzehrsstudie 2008 wird exakt dargelegt, wieviele Personen je Bevölkerungsgruppe (nach Geschlecht und Altersgruppe) weniger als die empfohlene Mindestmenge NRV zu sich nehmen.

Die Ergebnisse sind erschreckend - und erschreckend wenig bekannt:

  • Folsäuremangel liegt bei etwa 80% - 90% der Bevölkerung vor
  • Eisen Mangel bei etwa 75% der Frauen zwischen 15 und 50
  • Vitamin E Mangel bei etwa 50% der Bevölkerung
  • Vitamin C Mangel bei etwa 33% der Bevölkerung
  • Zink Mangel weist etwa 25% der Bevölkerung auf.
  • usw. usw.

Eine langfristige Unterversorgung mit Vitaminen und Spurenelementen hat verschiedene gesundheitliche Einschränkungen zur Folge. Im harmlosesten Fall ist es "nur" Haarausfall, der beispielsweise bei Eisenmangel oder Biotinmangel als typische Folgeerscheinung auftritt.

Folsäuremangel in den ersten Wochen der Schwangerschaft führt beim Kind zu einem erheblich vergrößerten Risiko von schweren irreversiblen Fehlbildungen (Spina bifida, Neuralrohdefekt). Beim Erwachsenen ist eine ausreichend hohe Folsäurezufuhr genauso wie die Zufuhr von Vitamin B12 und Vitamin B6 notwendig, um den Homocysteinspiegel in einem gesunden Bereich zu halten. Ein Mangel an diesen Vitaminen kann zu erhöhtem Homocysteinspiegel führen, der ähnliche negative Effekte auf Durchblutung, Herz und Kreislauf wie ein erhöhter Cholesterinspiegel hat.

Auch Immunsystem, Stimmung, Schlaf, Energie, Hormone und Antrieb sind unmittelbar abhängig von einer ausreichenden Vitaminzufuhr.

NRV und Höchstwerte von Vitaminen

NRV (tägliche Mindestmengen wie auf der Packung ausgewiesen) und Upper Level von Vitaminen laut europäischer Lebensmittelbehörde EFSA sind (Stand 11/2016):

 
Mikronährstoff NRV UL Upper Level
 Vitamin A (Retinol)  800 µg  3.000 µg
 Beta-Carotin  n.v.  n.v.
 Vitamin D (Cholecalciferol)  5 µg  100 µg
 Vitamin E (Tocopherol)  12 mg  300 mg
 Vitamin K
 K1: Phyllochinon
 K2: Menachinon
 K3: Menadion
 75 µg  n.v.
 Vitamin B1 (Thiamin)  1,1 mg  n.v.
 Vitamin B2 (Riboflavin)  1,4 mg  n.v.
 Vitammin B3 (Niacin)  16 mg  900mg Nicotinamid bzw.
 10mg Nicotinsäure
 Vitamin B5 (Pantothensäure)  6 mg  n.v.
 Vitamin B6 (Pyridoxin)  1,4 mg  25 mg
 Biotin (Vitamin B7)  50 µg  n.v.
 Folsäure (Vitamin B9)  200 µg   1.000 µg
 Vitamin B12 (Cobalamin)  2,5 µg   n.v.
  Vitamin C (Ascorbinsäure)   80 mg   n.v.

 

 

 

n.v.: nicht vorhanden, also nicht von der EFSA festgelegt und bisher nicht feststellbar.

NRV und Höchstwerte von Spurenelementen und Mineralstoffen

NRV (tägliche Mindestmengen wie auf der Packung ausgewiesen) und Upper Level von Mineralstoffen und Spurenelementen laut europäischer Lebensmittelbehörde EFSA sind (Stand 11/2016):

 
Mikronährstoff NRV UL Upper Level
 Calcium  800 mg  n.v.
 Chlorid  800 mg  n.v.
 Chrom  40 µg  n.v. (WHO: 250 µg)
 Eisen  12 mg  n.v.
 Fluorid  3,5 mg  7 mg
 Jod  150 µg  600 µg
 Kalium  2.000 mg  n.v.
 Kupfer  1 mg  5 mg
 Magnesium  375 mg  unklar
 Mangan  2 mg  n.v.
 Molybdän  50 µg  600 µg
 Phosphor  700 mg  n.v.
 Selen  55 µg  300 µg
  Zink  10 mg  25 mg

 

 

 

n.v.: nicht vorhanden, also nicht von der EFSA festgelegt und bisher wegen nicht ausreichender Studienlage nicht feststellbar.

NRV und Höchstwerte von Aminosäuren

NRV (tägliche Mindestmengen wie auf der Packung ausgewiesen) von Aminosäuren hat die europäische Lebensmittelbehörde für die Lebensmittelkennzeichnung nicht festgelegt. Freie Aminosäuren sind sehr sichere Lebensmittelbestandteile. Wir achten selbstverständlich bei der Dosierung der freien Aminosäuren in unseren Produkten sehr darauf, dass die Dosierung einerseits positiv zur Ernährungsbilanz dieser freien Aminosäure beiträgt. Andererseits dosieren wir alle Aminosäuren im sicheren, nicht-toxischen und nicht-pharmakologischen Bereich.